1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

... gemeinsam Kraft aus der Erinnerung schöpfen - für Frieden, Freiheit und Demokratie

In Europa entsteht eine gemeinsame Erinnerungs- und Gedenkkultur

Die Europäische Union (EU) wurde, in der größten Finanzkrise ihrer Geschichte, im Dezember 2012 in Oslo mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Komitee in Oslo wollte damit den Beitrag der EU zur »friedlichen Entwicklung in Europa« würdigen.

Vor nahezu 70 Jahren, am 8. Mai 1945 endete in Europa der Zweite Weltkrieg. Damit ging auch ein zweiter »30jähriger Krieg« zu Ende, der vor fast 100 Jahren - mit dem Ersten Weltkrieg (1914-18) - begann. Imperiales Großmachstreben führte zu dieser »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« mit einem erbarmungslosen Stellungskrieg (über 15 Mio. Tote). Die Pariser Friedenskonferenz und der Frieden von Versailles (28. Juni 1919) aber konnten keinen dauerhaften Frieden stiften. Der fehlende Ausgleich zwischen den vormaligen Kriegsgegnern und die Isolierung der UdSSR führten zu einer unüberwindlichen Kluft zwischen Siegern und Besiegten.

Die wirtschaftlichen Dauerkrisen am Ende der 1920er Jahre infolge der Weltwirtschaftskrise und der inneren Schwäche der europäischen Führungsmächte führten zu einem europaweiten Verlust an Demokratie und zu einem übersteigerten Nationalismus im Zeitalter der totalitären Systeme Europas. Die aggressive Expansionspolitik Deutschlands, Italiens und Japans entlud sich schließlich im »rasseideologischen Vernichtungskrieg« des Zweiten Weltkriegs (1939-45) mit über 55 Mio. Toten.

Sächsische Städte waren im Zweiten Weltkrieg immer wieder Ziel alliierter Bombenangriffe (so auch Dresden am 13. Februar 1945). Im April/Mai 1945 war Sachsen Frontgebiet, in dem Hitlers »letztes Aufgebot« rücksichtslos verheizt wurde. Am Ende verblieben nur verwüstete Städte, in denen die Überlebenden um die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, »Holocaust« und Vertreibung trauerten. Auch die deutsche Teilung und der »Kalte Krieg« mit seinem antagonistischen Ost-West-Gegensatz waren Folgen des Zweiten Weltkriegs.

Aber seit über 22 Jahren ist die deutsche Teilung nunmehr überwunden. Dankbar blicken wir auf die annähernd 70 Jahre zurück, in denen unser Land in Frieden leben durfte. Heute hat sich Europa zu einer politischen und wirtschaftlichen Gemeinschaft zusammengeschlossen.

Damit ist es an der Zeit im vereinigten Europa gemeinsam aller Opfer – auch der ungezählten, namenlosen Opfer – zu gedenken. Sie mahnen uns, die Kräfte des Guten zu üben, um gemeinsam Kraft aus der Erinnerung für Frieden, Freiheit und Demokratie zu schöpfen!

Anlässlich des bevorstehenden 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges (2014) und des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges (2015) hat es sich die sächsische Politik zur Aufgabe gemacht, zur Etablierung einer Erinnerungskultur beizutragen.

Das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz hat daher mit mehreren sich mit diesen Themen gleichfalls befassenden Organisationen einen Dialog aufgenommen. So wurde Kontakt zu dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt und dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung und mehreren Universität aufgenommen. Zunächst sollen in einem ersten Schritt über die jeweils geplanten Aktivitäten informiert werden und die Möglichkeiten der gegenseitigen Unterstützung und Kooperation erörtert werden.

Bei dem Thema des Kriegsopfergedenken kommt auch der europäischen Integration große Bedeutung zu: den Enkeln und Urenkeln der Kriegsgenerationen muss ausreichend im Klaren sein, was unverzichtbare Voraussetzung für eine bessere Zukunft ist. Die EU geht auf die 1951 gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, auch Montanunion genannt) zurück. Hauptziel der Montanunion war die Sicherung des innereuropäischen Friedens durch die »Vergemeinschaftung« und gegenseitige Kontrolle der kriegswichtigen Güter Kohle und Stahl und damit der Beginn der schrittweisen Bildung eines größeren westlichen Verbundes unter dem Einschluss von Deutschland. Dies war das tragende Motiv der Montanunion und dies ist immer noch das tragende Element der EU.

Marginalspalte

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz